Kondor Wessels engagiert sich mit Madaster Germany für nachhaltiges Bauen

Aufbauen – nutzen – wiederverwenden. Mit diesem Ziel beteiligt sich die Kondor Wessels Holding GmbH mit ihren operativen Tochtergesellschaften an „Madaster Germany“, einer neuen Internetplattform, die Kreislaufwirtschaft im Bau- und Immobiliensektor ermöglicht. Gebäude und Infrastrukturanlagen erhalten damit einen detaillierten Materialpass, der sie in Wertstofflager verwandelt und über die finanzielle Bewertung aller Bestandteile sogar in Materialbanken. Unsere Konzernmutter Volker Wessels ist eine treibende Kraft bei der in den Niederlanden entstandenen Madaster-Initiative. In gleicher Weise konnte Kondor Wessels jetzt dabei mithelfen, dass es Madaster seit dem Frühjahr 2021 nun auch in Deutschland gibt.

Technisch handelt es sich um eine webbasierte Plattform, die mit Hilfe der mehrdimensionalen Bauwerksmodelle aus dem Building Information Modelling (BIM) oder händisch mit Daten gefüttert werden kann. Seit ca. zwei Jahren arbeitet Kondor Wessels mit Methoden aus dem Building Information Modelling und sieht mit der Madaster-Plattform als weiterem Anwendungsfall eine Bestätigung in der eingeschlagenen Entwicklung. Mit Hilfe des IFC-Dateiformats ist in Zukunft eine reibungslose Integration der Modelle auf der Madaster-Plattform möglich. Beim Import werden dabei die Materialinformationen und die Einordnung in ein Klassifizierungssystem wie der deutschen Norm 276 an den Bauteilen abgefragt. Das ist an einschichtigen Bauteilen recht einfach möglich. Bei mehrschichtigen Bauteilen sieht Kondor Wessels noch Entwicklungs- und Koordinierungsbedarf in der Baubranche. Deswegen unterstützen wir die Madaster-Initiative, die es erlaubt, Bauobjekte verschiedener Bauherren detailliert zu dokumentieren. Dadurch bietet die Plattform Eigentümern und Verwaltern von Immobilien oder Infrastrukturanlagen einen Mehrwert. Sie verfügen über Angaben zum finanziellen und zirkulären Wert, zur Toxizität und zum Wiederverwendungspotenzial der verbauten Materialien, Produkte und Elemente. 

Madaster sichert Werte

Die Madaster-Plattform generiert zu diesem Zweck einen dauerhaften Material-Passport  für ein Gebäude oder ein Portfolio. Der jeweilige Grundstückseigentümer wird auch der Dateneigentümer und kann internen und externen Parteien jederzeit optional Zugang zu diesen Daten und Erkenntnissen gewähren. An den Daten interessierte Dritte können Bewerter, neue Investoren, Steuerberater, Facility Manager, Behörden, oder Marktplätze für wiederverwendbare Materialien sein. Gerade angesichts steigender Rohstoffpreise, wie wir sie aktuell erleben, verleiht die finanzielle Bewertung des materiellen Inventars einem Madaster-registrierten Gebäude einen substanziellen Endwert, der in den klassischen DCF-Verfahren (Discounted Cash-Flow) für Investitionsentscheidungen zu einem ausschlaggebenden Faktor werden kann.

Erleichtere Gefahrenabwehr und Risikoerkennung

Die Diskussion um den Baustoff Asbest, dessen Gesundheitsgefahr anfänglich nicht bekannt war, ist vielleicht das deutlichste Beispiel, warum ein Eigentümer wissen sollte, welche Materialien in seiner Immobilie an welcher Stelle verbaut wurden. Ein anderes, dramatisches Beispiel aus jüngster Zeit ist der Grenfell Tower in London. Das für die Außenverkleidung des Hochhauses verbaute Material erwies sich als viel zu leicht brennbar. Viele andere Hochhäuser in Großbritannien dürften diese Verkleidung besitzen, aber in nur wenigen Fällen lässt sich noch nachvollziehen, welche Gebäude dies sind. So müssen Eigentümer Ihre Immobilien jetzt nachträglich durch aufwändige Materialproben analysieren.  Hätte es Madaster schon früher gegeben, wären gezielte Abfragen der Beschaffenheiten von Bauwerken auf Knopfdruck möglich.

Vorbereitung auf die CO2-Bepreisung von Gebäuden

Madaster ist im Übrigen nicht einfach nur ein Datenkataster für Material. Es ist auch eine Institution, die den Erfahrungsaustausch unter allen Beteiligten organsiert und fördert. Die nächste Weiterentwicklung der Plattform wird sich daher mit der automatischen Analyse des CO2-Ausstoß beim Bau und bei der Bewirtschaftung von Immobilien beschäftigen. Mit dem Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) am 01.11.2020 verbinden sich bereits weitreichende Anforderungen an die Dekarbonisierung von Gebäuden hinsichtlich der Heizungs- und Kühlungssysteme. Die politische Diskussion lässt zudem erwarten, dass bald auch die CO2

Emissionen von Gebäuden in den EU-weiten Emissionshandel einbezogen und entsprechend mit einem Preis belegt werden.

Kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden müssen schon heute den 2018 beschlossenen EU-Aktionsplan zur Finanzierung des nachhaltigen Wachstums (EU Action Plan on Sustainable Finance) beachten. Zur Umsetzung gehören die „EU-Taxonomie Verordnung“, die „Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor“ und die „Verordnung zu EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel“. Die Taxonomie-Verordnung trat bereits am 12. Juli 2020 in Kraft. Rückwirkend für 2021 besteht ab 2022 für die erfassten Unternehmen erstmals eine der Wirtschaftsprüfung unterliegende Berichtspflicht über die eigene Nachhaltigkeits- und Kapitalanlagestrategie.

Die für diese Berichterstattung wesentliche Kennzahl ist der sogenannte „Carbon-Footprint“, der dem Herstellungsverfahren jeden Materials und jedem Arbeitsprozess eine typische Ausstoßmenge klimaschädlicher CO2-äquivalenter Gase zuordnet. Bis zum Jahr 2030 muss der Gebäudesektor gegenüber dem Jahr 2019 trotz bisheriger Erfolge noch weitere 52 Mio. Tonnen CO2-Emissionen einsparen, wie die nachfolgende Abbildung zeigt:

Entwicklung der Gebäudetreibhausgasemissionen in Deutschland; Quelle: Daten: Angaben des Umweltbundesamtes, 2020; Darstellung: Kondor Wessels Holding GmbH

Die Bauwirtschaft steht damit vor großen Herausforderungen, die zunächst einmal überhaupt in der Bestimmung der Messverfahren und der tatsächlichen Messung dieser Emissionen bestehen.

Vorteile auch für das Facility Management

Etwa 80 Prozent der gesamten Kosten im Lebenszyklus einer Immobilie entfallen auf die Nutzungsphase. Bisher konzentrieren sich Eigentümer und die Politik bei der Betrachtung von CO2-Emissionen noch ausschließlich auf die direkt zuordnungsbaren immobilienspezifischen Kosten wie insbesondere den Energieverbrauch. Die zahlreichen CO2- intensiven Supportprozesse, wie Abfall-, Recycling-, Reinigungs- und Wassermanagement sowie E-Mobilität, welche auch die Sektoren Verkehr und Energie tangieren, bleiben unbeachtet. Jedoch können die Supportprozesse 1/3 der gesamten Gebäudeemissionen verursachen.  Da ein Immobilienprojektierer wie Kondor Wessels schon bei der Planung erheblichen Einfluss auf die künftige Bewirtschaftung nimmt, fällt auch der sorgfältigen Dokumentation relevanter Prozessdaten für das Facility Management eine immer größere Bedeutung zu. Perspektivisch stellen sich für Madaster in dieser Hinsicht weitere wichtige Aufgaben. 

Mehrwert für unsere Kunden

Zusammenfassend sieht Kondor Wessels in der Beteiligung an Madaster einen handfesten Beitrag zu nachhaltigem und klimafreundlichem Wirtschaften. Immobilienbesitzer erfahren erstmals in allen Einzelheiten, woraus ihr Bauwerk besteht und wie sein „Innenleben“ funktioniert. Das erlaubt nicht nur die Verwertung oder Wiederverwendung von Materialien bei einem Abriss, sondern erleichtert auch die laufende Bewirtschaftung und Instandhaltung. Als Bauunternehmen und Projektentwickler ist Kondor Wessels zwar kein Bestandhalter von Immobilien, aber wir schaffen mit Madaster einen deutlichen Mehrwert für unsere Immobilieninvestoren und Partner.